2022.
Der Weg der wachsenden Erkenntnis

Toter Baum, der manchmal lebt.
Astgewirr zum Nichts es strebt.
Zerbrechlich dürre Zweige,
zu zeigen Blätterpracht zu feige!
Suchend Wasser, suchend Luft.
Vergangen Blüte, vergangen Duft.
Und doch,
bin ich immer noch,
an diesem elend Ort verloren!
Was hören meine tauben Ohren?
Kein Rascheln, keine Melodie.
Diese Stille kannt ich nie.
Kein Kehlchen singt aus roter Kehle.
Verloren und allein ist meine Seele.
Ich bin in einem ewig Labyrinth gefangen!
Muss ich nun um mein einzig Leben bangen?
Mehr Kraft weiterzugehen ich nicht habe.
Wer hört mich und meine Klage?
Dort steht er! Der sagenumwobene Geist,
der mir die Richtung hieraus weist.
Aber bist du nur eine lichte Gestalt.
Dein wilder Ruf ins Ungewisse hallt.
Dir vertrauen? Mein Herz nicht ruht!
So viel Angst und wenig Mut.
Wollte doch nur weiter wachsen, hoch hinaus!
Nun finde ich keinen Weg heraus.
In diesem wirren Wahn, wohin!
Ich flehe dich an Geist: Welcher Weg macht Sinn?

Du erbärmlich Wesen voller Hohn und Spott,
glaubst du etwa ich sei ein Gott!
Einst bin ich durch das Labyrinth geschritten.
Und habe ich, wie du gelitten.
Einst gelang ich an diese einsamen Ort.
Und kam ich, wie du nicht mehr fort.
Da erschien ein Geist, ich ihn um Hilfe anrief.
Und wie du, ich in misslich Lage zu ihm lief.
Doch als er sprach und sein Geheimnis mit mir teilte,
hastig ich aufbrach und nicht verweilte.
Offenbar,
war ich ein Narr.
als ich den Ausweg nämlich entdeckte,
eine grausame Bestie ich weckte,
die da lauert, lang im Verborgen,
Mit unendlich Leid und vielen Sorgen.
Nun bin ich verdammt, unzählig Jahre.
Das Geheimnis ich nun selbst bewahre.
Doch sei dir eins gesagt!
All dein Trachten, welches dich plagt,
wirst den Ausweg finden zwar, doch selbe Bürde tragen mein,
wirst du der neue Hüter sein.
In Wurzelreichs Finsternis wirst du mit dir ringen.
Die Bestie aber, musst du allein bezwingen.
Willst du also hinaus? Musst du nach innen!
Drehe um! Nur so kannst du entrinnen!

Schon jetzt habe ich den Weg bereut.
Getäuscht vom Geist! Ein Labyrinth erneut!
Wahrhaft Leiden offenbart auf Wegen tiefer Dunkelheit.
Erfüllt von vertrauter Einsamkeit.
Verdorrt sind alle Wurzelstränge.
Dieses Gefängnis, diese Enge.
Mit jedem Bemühen und jedem Schritte,
gelang ich bald in des Labyrinthes Mitte.
Während ich in wachsend Ringen schreite,
erkenne ich jedoch des Geheimnis Weite.
Was ich wirklich suchte in vergangen Zeit,
fühle ich nun, nun bin ich bereit.
Der Bestie muss ich mich stellen,
in mir, nicht eher wird sich mein Weg erhellen.
Narben groß und viele Wunden,
bin ich doch mit fruchtbarer Erde verbunden.
Nun erkenne ich des klaren Weges Gleichgewicht.
Hinaus aus der Dunkelheit, empor zum Licht.
Vertrautest mir Geist dein Geheimnis an.
Ich dankbar bin sodann.
Aus jedem Schmerze meiden,
erwächst keimend tiefes Leiden.
Von dichtem Wuchse zehrend,
des Weges Bürde spürbar während,
aus jeder Träne fließend,
alsdann lebend Triebe sprießend,
Um mich wachsend, mein Herz es ruht.
Hervortritt der sanften Krone Edelmut.