2019.
Berti Batten

Digitale Malerei, Stift-Display und Open Source Programm, projieziert. Malerei, natürliche Farbpigmente, Lehmfarbe

eins
auf alter Rinde von Fichte (Fundort: Hatzfeld-Reddighausen). 60 x 26 x 12,8 cm

zwei
auf altem Holzbrett (Fundort: Hatzfeld-Reddighausen). 92 x 12,4 x 2,3 cm


Reddighausen, den 4. Mai 2019

Spaziergang zum Wohlstand

Im Folgenden beschreibe ich meine Konzeption für die Ausschreibung »Kunst aus der Region« des Kunstweges Battenberg.

Wir haben trotz des technischen Fortschrittes einen gefühlten Zeitmangel. Überflutet von Hyperkonsumreizen sämtlicher Art und einem Wohlstandswahn, verfallen wir fast in eine Bequemlichkeitsstarre. Wir kennen kaum mehr unsere Umgebung und Natur. Wie also werden Menschen zukünftig zu einem Spaziergang auf dem Kunstweg motiviert? Was kann uns entschleunigen, inspirieren und zum Reflektieren anregen?

Unsere Natur kann uns all dies auf einem einfachen Spaziergang schenken, wenn wir aufmerksam sind. Kunst kann nicht nur eine Gegenposition zur derzeitigen gesellschaftlichen Lage darstellen, sondern gleichzeitig können wir einen wahrhaftigen Wohlstand im Innern durch die Symbiose von Kunst und Natur erleben. Sie ist ein Wohlstand für Körper, Geist und Seele. Ich möchte Menschen auf diesem Spaziergang begleiten und gemeinsam mit ihnen diesen inneren Wohlstand entdecken. Hierfür habe ich die Sympathiefigur »Berti Batten« entworfen.

Beweggründe

Berti ist nicht besonders kräftig, sondern dürr. Er trägt einfache, abgetragene und geflickte Kleidung. Vom Äußerlichen ist er in den Augen mancher vielleicht ein Niemand. Er ist auf einer Suche nach Akzeptanz und einem Ort an dem er einfach sein und leben kann. Doch wo beginnt seine Suche? Wo ist sein Ziel oder braucht er überhaupt ein Ziel? Vielleicht möchte er einen Ort finden, wo er einfach in Ruhe gelassen wird.

Ich habe mich für die verfremdete Darstellung eines Menschen in Gestalt eines Bären entschieden. Nicht nur, weil der Bär das Wahrzeichen der Stadt Battenberg ist, sondern weil Bären fremde Wesen für uns sind. Sie waren früher hierzulande beheimatet, doch wurden sie vor etwa 200 Jahren in Deutschland ausgerottet.¹ Viele Menschen fürchten sich vor dem, was sie nicht kennen und niemand kennt Bären in unseren Landen.

Inszenierung

Ich möchte Berti in einzelnen Handlungen und Szenen narrativ darstellen. Mal könnte er in einer schlafenden Position die Ruhe des Waldes genießen. Mal klettert er abenteuerlich auf seiner Naturerkundung auf einen Baum. Mal isst er eine gefundene Beere. Mal schaut er verärgert eine gefundene Mülldose an. Mal ist er traurig, weil er nicht weiß wohin er gehen soll. Mal spricht er die Beobachter:innen direkt an oder möchte sie auf etwas hinweisen. Es gibt schier unbegrenzte Möglichkeiten ihn in Szene zu setzen, die Rezipient:innen zu erreichen und seine Geschichte zu erzählen. So wie Berti auf dem Kunstweg wahrgenommen und akzeptiert werden möchte, möchte jede:r Mensch auf irgendeine Weise seine Geschichte erzählen. Somit wird Berti ein universelles Symbol für diejenigen, die das Abenteuer des Kunstweges beschreiten.

Berti lädt Kinder zur Neugierde ein und möchte ihre Fantasie wecken. Bei dem Versuch ihn an unterschiedlichen Orten entlang des Kunstweges zu entdecken, werden sie genau beobachten müssen und werden hoffentlich dabei vielmehr von der Natur um sie herum abgelenkt, wo es wesentlich mehr zu erkunden gibt.

Junge und ältere Erwachsene werden durch ihn mehr zum Nachdenken angeregt, bestenfalls stellen sie sich Sinnfragen. Bestimmen wir wirklich selbst über unser Leben oder sind wir vielleicht alle nur ein ausgenutzter Tanzbär? Sind wir noch ein Teil der Natur oder sind wir von ihr entfremdet? Steckt die Einfachheit von Berti nicht in uns allen? Welchen Wohlstand braucht es mehr als das, was wir in der Natur bereits vorfinden ?

Künstlerische Umsetzung

Soziale und ökologische Nachhaltigkeit ist nicht nur in meinem eigenen Leben wichtig, sondern soll sich ebenfalls in meiner Kunst widerspiegeln. Ich verwende Lehmfarbe, die ich mit natürlichen Farbpigmenten einfärbe. Die Konturen zeichne ich mit einem Tuschestift nach. Meine Kunstwerke werden mit der Zeit verfallen, da es die natürliche Vergänglichkeit darstellt.

Ich habe für diese Ausschreibung beispielhaft zwei Bildträger ausgewählt: ein altes gefundenes Brett vom Sperrmüll mit glatter Oberfläche, sowie ein Stück alte Fichtenrinde mit grober Oberfläche. Als mögliche Bildträger für den Kunstweg kann ich mir Bäume, alte Stoffe, Häuserwände oder Gestein vorstellen. Je nach Wahl des Bildträgers kann ich die Kunstwerke zu Hause oder vor Ort erschaffen, allerdings kann ich deshalb noch keine Angaben zu den Maßen und Gewicht machen.


Marburg, den 29. November 2022

Nachruf

Ich wollte mit Berti Batten einem alten Klassenkameraden aus der Grundschulzeit ein Andenken setzen. Er trug den Spitznamen »Berti«. Er begann als junger Erwachsener einen Suizid. In meiner Erinnerung war er ein armer und einfacher Mensch und ich denke positiv an ihn zurück.

Mein Andenken an ihn fand leider keinen Platz auf diesem Kunstweg. Jedoch wird er immer in meinem Herzen und als Berti Batten in Erinnerung bleiben.

Ruhe in Frieden.


Quellen

¹ DER SPIEGEL (online). 1. Juni 2018. Kommt der Bär zurück nach Deutschland? https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/braunbaeren-in-deutschland-bundesamt-fuer-naturschutz-glaubt-an-rueckkehr-a-1210689.html, letzter Abruf am 28. November 2022.